Vom Reformwahn zum Reformstau

17. Mai 2010

Das Pendel schlägt zurück: Nach einer starken Reformeuphorie in der schweizerischen Bildungslandschaft kehrt nun der Wind, und zahlreiche, ursprünglich gut gestartete Reformprojekte verlieren von Tag zu Tag Anhänger. In seinem Artikel „In der Falle“ im Magazin vom 21.05.2010 zählt Martin Beglinger viele Gründe dafür auf, z.B. die nur auf dem Papier existierende Autonomie unserer Schulen, die überbordende und sich ständig selber rechtfertigende Bildungsbürokratie, die Abwertung der Laiengremien in der Aufsicht und Steuerung der Schulen (wobei die Schulräte im Baselbiet noch verhältnismässig viele Kompetenzen haben).

Verwirrendes spielt sich auch in der eigenen Partei ab: Monatelang hat sich die FDP Schweiz für das HarmoS-Konkordat stark gemacht. Und ganz am Ende des Prozesses erwacht nun die FDP Baselland und übt sich in Fundamentalopposition. Zu erklären ist dieses Verhalten allenfalls durch die schwache Führung und die wenig kohärente Bildungspolitik der Baselbieter Regierung und ihrer Bildungsdirektion: Parolen zur Stärkung des Bildungssektors und Sparpläne im Bildungsbereich wechseln sich im Wochenrhythmus ab.

In unserer stark vernetzten Region hat es eigentlich gar keinen Platz für mehrere Schulmodelle. Nachdem Basel-Stadt nun daran ist, seinen jahrzehntelangen Alleingang im Schulbereich abzubrechen, bietet sich die Möglichkeit, die Volksschule wenigstens soweit zu harmonisieren, dass ein Umzug von Familien in der Region nicht durch stark unterschiedliche Schulsysteme unnötig behindert wird. Dies ist meines Erachtens höher zu gewichten als allfällige (berechtigte) Vorbehalte gegenüber dem pädagogischen Mehrwert von Frühfranzösisch. Ich werde mich deshalb nach wie vor für den Beitritt von Baselland zum HarmoS-Konkordat einsetzen.


Von der Schweizer Schulschrift zur Basisschrift

19. Februar 2010

Ich habe mir die Frage auch schon gestellt: Ist die Schweizer Schulschrift, welche meine Tochter in der Schule übt, heutzutage nicht etwas antiquiert? Schliesslich wird sie schweizweit seit über 60 Jahren unterrichtet, und ich kenne kaum jemanden, der als Erwachsener nur annähernd so schreibt. Die NZZ thematisiert die Schulschrift in ihrer Ausgabe vom 15.02.2010: Seilziehen um eine zeitgemässe Schulschrift. Im Artikel wird auch die neue „Basisschrift“ vorgestellt, welche mehr wie eine zusammenhängende Blockschrift aussieht:

Im Kanton Baselland sind die Primarschulen derzeit nicht frei, die neue Basisschrift anstelle der Schweizer Schulschrift einzuführen. Bei Schulwechseln wäre es auch störend, wenn an verschiedenen Schulen unterschiedliche Schriften gelehrt würden, wie das in anderen Kantonen der Fall ist. Es ist aber zu hoffen, dass die Basisschrift in den neuen Deutschschweizer Lehrplan aufgenommen wird; für mich gibt es jedenfalls mehr Argumente dafür als dagegen.


Gute Ausgangslage für den Lehrplan 21

7. November 2009

Eine Angleichung der unterschiedlichen kantonalen Schulsysteme in der Schweiz ist überfällig. Während die HarmoS-Vorlage aufgrund von z.T. irrationalen Argumenten einen schweren Stand hat, scheint die Ausgangslage für den geplanten gemeinsamen Lehrplan in der Deutschschweiz unter einem besseren Stern zu stehen. Gestern wurde bekanntgegeben, dass sämtliche kantonalen Bildungsdirektoren das Projekt befürworten und dass auch die Lehrerschaft bei der Ausarbeitung des neuen Lehrplans aktiv mitwirken will. In Kraft treten wird der neue Lehrplan frühestens 2014.

-> Was Schüler der Deutschschweiz künftig lernen werden (NZZ vom 06.11.2009)
-> Medienmitteilung der Erziehungsdirektoren-Konferenzen vom 05.11.2009

Lehrplan 21


Schwerpunkte im Schulrat

21. Oktober 2009

Wappen_ArlesheimDie sieben Aufgaben unseres Schulrats sind im Bildungsgesetz des Kantons Basel-Landschaft abschliessend beschrieben: Er ist zuständig für die Anstellung der Schulleitungen, für die unbefristete Anstellung von Lehrerinnen und Lehrern, für die Festlegung der Anzahl der sogenannten Joker-Tage (Absenzen ohne Angabe von Gründen), ferner ist der Schulrat Beschwerdeinstanz bei Entscheiden der Schulleitungen.  Der Schulrat genehmigt das sogenannte Schulprogramm und gewährleistet im Rahmen der Qualitätsentwicklung die Durchführung der internen Evaluation sowie die Umsetzung der entsprechenden Ergebnisse. Schliesslich ist der Schulrat eine Art Kommunikationsdrehscheibe: Er soll einerseits die Anliegen der Eltern und der Gemeinde in die Schule einbringen und andererseits die Anliegen der Schule gegenüber der Gemeinde und der Öffentlichkeit vermitteln.

Daraus ergeben sich auch Bereiche, die nicht in den Kompetenzbereich des Schulrats fallen – auf den Lehrplan beispielsweise kann er keinen direkten Einfluss nehmen, und auch für die schulergänzende Tagesbetreuung ist heute nicht der Schulrat zuständig.

Als Vater von vier Kindern steht für mich die stetige Verbesserung unserer Schulen im Vordergrund; als Einwohner wünsche ich mir ein professionelleres Auftreten unserer Schulbeteiligten in der Öffentlichkeit. Für beide Anliegen würde ich mich – mit Ihrer Unterstützung – gerne im Schulrat Arlesheim einsetzen.

Markus Eigenmann, Kandidat für den Schulrat Arlesheim am 29.11.2009


Schulreformen und Kommunikation

10. Oktober 2009

NZZ am SonntagDie NZZaS vom vergangenen Sonntag hat nach den Gründen für die aktuellen Schwierigkeiten mit den Schulreformen in der Schweiz gesucht (-> Schule in der Sackgasse) und kommt zum Schluss:

„Dass sich die Volksschule stetig weiterentwickeln muss, ist keine Frage. Das geht nur über die öffentliche Diskussion der Werte, die unsere Schule prägen sollen. Die Gefahr für die Schulentwicklung sind nicht die Gegner, sondern die Technokraten, die durch die Planung im Hinterzimmer das Vertrauen in die Reformvorhaben verspielen.“

Im selben Artikel wird die Präsidentin der Konferenz der Erziehungsdirektoren zitiert:

„Wer eine Schule verändern will, muss zuerst das Vertrauen aller Beteiligten gewinnen.“

Auch auf lokaler Ebene gilt: Sollen breite Kreise Vertrauen in unsere Schulen haben und Veränderungen aufgeschlossen gegenüberstehen, bedarf es einer öffentlichen Diskussion. Dies ist einer der Gründe, warum wir immer wieder die Wichtigkeit von pro-aktiver Kommunikation durch unsere Schulbehörden, Schulleitungen und Lehrpersonen betonen.


HarmoS quo vadis?

23. August 2009

Die gestrige NZZ blickt in einem Editorial unter dem Titel „Wie viel Harmonie erträgt die Schule?“ zurück auf die schulpolitischen Diskussionen und Ereignisse der letzten Monate. Unter anderem fragt sich der Autor, warum die Stimmenden sich 2006 so klar für mehr Koordination zwischen den kantonalen Schulsystemen ausgesprochen haben:

„Was aber genau erhofften sie sich? Wohl schlicht, dass bei einem Umzug die Kinder an der neuen Schule im anderen Kanton leicht Anschluss finden.“

Dieser Punkt sollten wir bei der landesweiten Diskussion über HarmoS wieder vermehrt in den Vordergrund rücken.

Sowohl bei der Ausarbeitung des neuen Lehrplans für die Deutschschweiz („Lehrplan 21„) als auch bei den anderen laufenden Bildungsreformen plädiert Herr Hagenbüchle für Zurückhaltung und Augenmass. Und schliesslich relativiert er, meiner Meinung nach zu Recht, die Bedeutung von Strukturen und Schulinhalten:

„Nicht der Stoff, sondern die Art seiner Vermittlung und die Gefühlskraft des Lehrers sind es, die ein Schülerleben prägen.“


Presseschau

24. April 2009

Über das bereits vorgestellte Projekt des Kantons Jura zieht die NZZ eine Zwischenbilanz: „Des Juras nur zum Teil erwiderte Liebe zu Basel“. Eigentlich schade, dass die Aktion noch nicht auf mehr Interesse stösst.

Nach den Impressionen aus der gefährlichsten Schule von Los Angeles erhalten wir einen weiteren Einblick ins Schulsystem Kaliforniens: „Kaliforniens Schulen unter hartem Spardruck“. Im Vergleich dazu haben wir bei uns in Baselland bei der Finanzierung der Schulen geradezu stabile und einfache Verhältnisse.

In der NZZ-Beilage „Bildung und Erziehung“ vom 22.04.2009 (leider nicht online verfügbar) finden sich interessante Gedanken zur Lehrmittelpolitik, zu Vor- und Nachteilen von zentralen Leistungstests, zum unterschiedlichen Vertrauen in Gymnasial- und Volksschullehrkräfte, zur Bedeutung des Lehrplans als Auftrag an Schule und Lehrpersonen, zu HarmoS und dem Lehrplan 21, zur Steuerung des Unterrichts durch Lehrmittel. Dabei werden von den Autoren der Beiträge auch sehr unterschiedliche Meinungen zu einem in der Öffentlichkeit wenig diskutierten Thema vertreten.


HarmoS light?

28. Januar 2009

Die Erziehungsdirektoren der Deutschschweizer Kantone arbeiten daran, die heutigen Lehrpläne für die Volksschule bis 2012 zu harmonisieren („Lehrplan 21″, siehe auch hier). Dies soll Wohnungswechsel von Lehrpersonen und Familien künftig erleichtern. Man ist optimistisch, das Vorhaben umsetzen zu können, auch wenn die Skepsis gegenüber HarmoS anhalten und die ambitioniertere Vorlage scheitern sollte.

Lehrplan 21Bei aller Sympathie für unseren föderalistischen Staatsaufbau: Wenn ich mit vorstelle, wieviele Ämter und Direktionen sich nun mit der Vereinheitlichung von 21 Lösungen beschäftigen, dann frage ich mich, ob die Bildungshoheit der Kantone noch zweckmässig und zeitgemäss ist.

Lesenswert ist ein kürzlich in der NZZ-Beilage „Bildung und Erziehung“ erschienener Artikel von Roger Friedrich: Wollen wir die standardisierte Schule? Er kritisiert das bescheidene Niveau und die vorherrschende Polemik bei Schuldebatten in der Schweiz sowie die Reformhektik unserer „aufblähenden Bildungsbürokratie“. Auch als HarmoS-Befürworter musste ich dem Autor bei der Lektüre des Artikels in vielen Punkten zustimmen.


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