JA zu HarmoS – aus Vernunft

12. September 2010

Seit Wochen kann der Abstimmungkampf über HarmoS im Kanton BL nun verfolgt werden. Dabei wird auf beiden Seiten mit z.T. sonderbaren Argumenten gekämpft: Weder die heulenden Kinder, noch die drohende Bildungsinsel überzeugen wirklich. Bei nüchterner Betrachtung kommt man nämlich zum Schluss: Ob die Mehrheit nun JA oder NEIN stimmt, die in der HarmoS-Vorlage enthaltenen Änderungen der Bildungslandschaft kommen grösstenteils so oder so, je nach Abstimmungsergebnis halt etwas früher oder später.

Artikel 62 der Bundesverfassung ist sehr klar: „Kommt auf dem Koordinationsweg keine Harmonisierung des Schulwesens im Bereich des Schuleintrittsalters und der Schulpflicht, der Dauer und Ziele der Bildungsstufen und von deren Übergängen sowie der Anerkennung von Abschlüssen zustande, so erlässt der Bund die notwendigen Vorschriften.“ Da schon eine Mehrheit der Kantone dem HarmoS-Konkordat zugestimmt hat, ist nicht damit zu rechnen, dass der Bund anderslautende Vorschriften erlassen wird. Somit stellt sich für den Kanton BL höchstens die Frage, ob man von Anfang an dabei sein und den Umstellungsprozess aktiv gestalten will, oder ob man die Neuerungen später als die anderen Kantone auf Geheiss des Bundes einführen will. Letzteres ist vermutlich der teurere Weg.

Stimmen wir JA zu HarmoS – die Änderungen kommen so oder so. Und nachdem Basel-Stadt nach einem langen Irrweg nun endlich sein Schulsystem „normalisiert“, sollten diesmal nicht wir Baselbieter einer Angleichung der Nordwestschweizer Schulsysteme im Wege stehen.


Neuenburg macht’s vor!

19. Mai 2010

Eine Nachricht aus dem Kanton Neuenburg hat mich heute besonders gefreut: Im Rahmen eines Pilotprojekts sollen dort Kindergartenklassen angeboten werden, in denen je zur Hälfte Deutsch und Französisch gesprochen wird (siehe auch Artikel in der heutigen NZZ). Dies ist aus mehreren Gründen erfreulich:

  • Sogenannter Immersionsunterricht ist für den Spracherwerb effektiver als ein paar wenige Wochenstunden Fremdsprachenunterricht. Unser mehrsprachiges, aber kleinräumiges Land hätte ideale Voraussetzungen, um vermehrt auf Immersionsunterricht zu setzen. In der Diskussion um den Fremdsprachenunterricht im Rahmen von HarmoS kommt dies jedoch viel zu kurz.
  • Die Sprachendiskussion in den Westschweizer Kantonen an der Sprachgrenze war in der Vergangenheit häufig von Berührungsängsten und von Beharren auf dem Territorialprinzip geprägt. Hier scheint ein Umdenken stattzufinden.
  • Wie in Baselland steht es um die Staatsfinanzen in Neuenburg nicht besonders gut. Trotzdem findet man Wege, derartige Pilotprojekte durchzuführen.

Es ist zu hoffen, dass das Projekt in Neuenburg erfolgreich verläuft. Auch im Kanton Baselland (zumindest im unteren Kantonsteil und im Laufental) wären durch die Nähe zum Kanton Jura ähnliche Projekte denkbar und wünschenswert.


Vom Reformwahn zum Reformstau

17. Mai 2010

Das Pendel schlägt zurück: Nach einer starken Reformeuphorie in der schweizerischen Bildungslandschaft kehrt nun der Wind, und zahlreiche, ursprünglich gut gestartete Reformprojekte verlieren von Tag zu Tag Anhänger. In seinem Artikel „In der Falle“ im Magazin vom 21.05.2010 zählt Martin Beglinger viele Gründe dafür auf, z.B. die nur auf dem Papier existierende Autonomie unserer Schulen, die überbordende und sich ständig selber rechtfertigende Bildungsbürokratie, die Abwertung der Laiengremien in der Aufsicht und Steuerung der Schulen (wobei die Schulräte im Baselbiet noch verhältnismässig viele Kompetenzen haben).

Verwirrendes spielt sich auch in der eigenen Partei ab: Monatelang hat sich die FDP Schweiz für das HarmoS-Konkordat stark gemacht. Und ganz am Ende des Prozesses erwacht nun die FDP Baselland und übt sich in Fundamentalopposition. Zu erklären ist dieses Verhalten allenfalls durch die schwache Führung und die wenig kohärente Bildungspolitik der Baselbieter Regierung und ihrer Bildungsdirektion: Parolen zur Stärkung des Bildungssektors und Sparpläne im Bildungsbereich wechseln sich im Wochenrhythmus ab.

In unserer stark vernetzten Region hat es eigentlich gar keinen Platz für mehrere Schulmodelle. Nachdem Basel-Stadt nun daran ist, seinen jahrzehntelangen Alleingang im Schulbereich abzubrechen, bietet sich die Möglichkeit, die Volksschule wenigstens soweit zu harmonisieren, dass ein Umzug von Familien in der Region nicht durch stark unterschiedliche Schulsysteme unnötig behindert wird. Dies ist meines Erachtens höher zu gewichten als allfällige (berechtigte) Vorbehalte gegenüber dem pädagogischen Mehrwert von Frühfranzösisch. Ich werde mich deshalb nach wie vor für den Beitritt von Baselland zum HarmoS-Konkordat einsetzen.


Bildungsraum Nordwestschweiz begraben!

14. Dezember 2009

Die BaZ füllt ihre Spalten heute wieder mal ausgiebig mit Bildungsthemen:

Bemerkung am Rande: Leider betreibt die BaZ in ihren bildungspolitischen Artikeln häufig nur Schaumschlägerei – Lösungsansätze werden kaum je präsentiert. Der heutige Tageskommentar verdient diesen Namen m.E. gar nicht: Es wird lediglich festgehalten, was alles nicht sein dürfe, dass die Harmonisierung schwierig sei und dass man erst am Anfang stehe; eigene Vorstellungen des Journalisten zu den beiden Themen sind kaum erkennbar.

Nach allem, was bereits aus der Vorlage für einen Bildungsraum Nordwestschweiz gekippt worden ist, kann man dieses Projekt als solches getrost begraben. Die Kantone Solothurn und Aargau sind als Ganzes zu wenig auf die Region Basel ausgerichtet, dass ein echtes Interesse an einer Harmonisierung der Schulsysteme besteht. Schliesslich sind weite Teile unserer südlichen Nachbarkantone nicht auf Basel, sondern auf Zürich und Bern ausgerichtet. Stattdessen ist die Harmonisierung zwischen den beiden Basel voranzutreiben; gleichzeitig ist darauf zu achten, dass die Bildungslandschaft für die Solothurner und Aargauer Bezirke nördlich des Juras möglichst offen bleibt.


Gute Ausgangslage für den Lehrplan 21

7. November 2009

Eine Angleichung der unterschiedlichen kantonalen Schulsysteme in der Schweiz ist überfällig. Während die HarmoS-Vorlage aufgrund von z.T. irrationalen Argumenten einen schweren Stand hat, scheint die Ausgangslage für den geplanten gemeinsamen Lehrplan in der Deutschschweiz unter einem besseren Stern zu stehen. Gestern wurde bekanntgegeben, dass sämtliche kantonalen Bildungsdirektoren das Projekt befürworten und dass auch die Lehrerschaft bei der Ausarbeitung des neuen Lehrplans aktiv mitwirken will. In Kraft treten wird der neue Lehrplan frühestens 2014.

-> Was Schüler der Deutschschweiz künftig lernen werden (NZZ vom 06.11.2009)
-> Medienmitteilung der Erziehungsdirektoren-Konferenzen vom 05.11.2009

Lehrplan 21


Schulreformen und Kommunikation

10. Oktober 2009

NZZ am SonntagDie NZZaS vom vergangenen Sonntag hat nach den Gründen für die aktuellen Schwierigkeiten mit den Schulreformen in der Schweiz gesucht (-> Schule in der Sackgasse) und kommt zum Schluss:

„Dass sich die Volksschule stetig weiterentwickeln muss, ist keine Frage. Das geht nur über die öffentliche Diskussion der Werte, die unsere Schule prägen sollen. Die Gefahr für die Schulentwicklung sind nicht die Gegner, sondern die Technokraten, die durch die Planung im Hinterzimmer das Vertrauen in die Reformvorhaben verspielen.“

Im selben Artikel wird die Präsidentin der Konferenz der Erziehungsdirektoren zitiert:

„Wer eine Schule verändern will, muss zuerst das Vertrauen aller Beteiligten gewinnen.“

Auch auf lokaler Ebene gilt: Sollen breite Kreise Vertrauen in unsere Schulen haben und Veränderungen aufgeschlossen gegenüberstehen, bedarf es einer öffentlichen Diskussion. Dies ist einer der Gründe, warum wir immer wieder die Wichtigkeit von pro-aktiver Kommunikation durch unsere Schulbehörden, Schulleitungen und Lehrpersonen betonen.


HarmoS quo vadis?

23. August 2009

Die gestrige NZZ blickt in einem Editorial unter dem Titel „Wie viel Harmonie erträgt die Schule?“ zurück auf die schulpolitischen Diskussionen und Ereignisse der letzten Monate. Unter anderem fragt sich der Autor, warum die Stimmenden sich 2006 so klar für mehr Koordination zwischen den kantonalen Schulsystemen ausgesprochen haben:

„Was aber genau erhofften sie sich? Wohl schlicht, dass bei einem Umzug die Kinder an der neuen Schule im anderen Kanton leicht Anschluss finden.“

Dieser Punkt sollten wir bei der landesweiten Diskussion über HarmoS wieder vermehrt in den Vordergrund rücken.

Sowohl bei der Ausarbeitung des neuen Lehrplans für die Deutschschweiz („Lehrplan 21„) als auch bei den anderen laufenden Bildungsreformen plädiert Herr Hagenbüchle für Zurückhaltung und Augenmass. Und schliesslich relativiert er, meiner Meinung nach zu Recht, die Bedeutung von Strukturen und Schulinhalten:

„Nicht der Stoff, sondern die Art seiner Vermittlung und die Gefühlskraft des Lehrers sind es, die ein Schülerleben prägen.“


Aufgewärmte Kontroverse um die Basisstufe

5. Mai 2009

Die BaZ hat uns gestern und heute (Artikel leider nicht online verfügbar) die bereits vor ein paar Wochen ausgebreitete Kontroverse um die Basisstufe in leicht umgeschriebener Form aufgetischt. Die Berichte über Gespräche mit Michael Winterhoff (contra) und Remo Largo (pro) beinhalten wenig Neues. Interessanter als aufgewärmte Expertendiskussionen wäre meines Erachtens eine Diskussion über die mögliche praktische Umsetzung einer Basisstufe in unserer Region. Mir stellen sich insbesondere folgende Fragen:

  • Wäre eine Basisstufe denkbar, welche die dezentralen Kindergartenstandorte weiternutzt?
  • Benötigt die Basisstufe unter dem Strich wirklich mehr Personal? Die individuellere Förderung der Kinder müsste ja dazu führen, dass viele spezielle Unterrichtsformen im Rahmen der neuen Basisstufe integriert werden. Dadurch würden Lehrpersonen, welche heute Einführungsklassen und spezielle Förderkurse unterrichten, für die Basisstufe zur Verfügung stehen.
  • Was wären die finanziellen Folgen einer Einführung für die Gemeinde Arlesheim?
  • Wie sind die Erfahrungen mit Kindern, welche die Basisstufe schneller durchlaufen? Ist die auf die Basisstufe folgende Schulstufe in der Lage, Klassen mit stärkerer Altersdurchmischung als heute aufzunehmen? Werden Kinder, welche wesentlich jünger sind als ihre Klassenkameraden, später nicht auf der sozialen Ebene überfordert?

Presseschau

24. April 2009

Über das bereits vorgestellte Projekt des Kantons Jura zieht die NZZ eine Zwischenbilanz: „Des Juras nur zum Teil erwiderte Liebe zu Basel“. Eigentlich schade, dass die Aktion noch nicht auf mehr Interesse stösst.

Nach den Impressionen aus der gefährlichsten Schule von Los Angeles erhalten wir einen weiteren Einblick ins Schulsystem Kaliforniens: „Kaliforniens Schulen unter hartem Spardruck“. Im Vergleich dazu haben wir bei uns in Baselland bei der Finanzierung der Schulen geradezu stabile und einfache Verhältnisse.

In der NZZ-Beilage „Bildung und Erziehung“ vom 22.04.2009 (leider nicht online verfügbar) finden sich interessante Gedanken zur Lehrmittelpolitik, zu Vor- und Nachteilen von zentralen Leistungstests, zum unterschiedlichen Vertrauen in Gymnasial- und Volksschullehrkräfte, zur Bedeutung des Lehrplans als Auftrag an Schule und Lehrpersonen, zu HarmoS und dem Lehrplan 21, zur Steuerung des Unterrichts durch Lehrmittel. Dabei werden von den Autoren der Beiträge auch sehr unterschiedliche Meinungen zu einem in der Öffentlichkeit wenig diskutierten Thema vertreten.


Und schon ist sie da…

16. März 2009

Lehrerinnen- und Lehrerverein BL

… die angekündigte Kontroverse um die Einführung der Basisstufe. Zwar hat der Lehrerinnen- und Lehrerverein Baselland noch nicht über die Ergebnisse seiner kürzlich hinter verschlossenen Türen durchgeführten Mitgliederversammlung informiert, die BaZ hat heute dennoch das Thema an prominenter Stelle behandelt, was prompt zu einer geharnischten Reaktion der LVB-Präsidentin geführt hat.

Inhaltlich geht es letztendlich um die Grundsatzfrage, ob wir an den Erfolg einer individualisierten Unterrichtsform glauben oder nicht.

Persönliches Fazit nach der kürzlichen Lektüre von Remo Largos lesenswertem Buch „Schülerjahre“ und den Stellungnahmen des LVB: Die Aussagen der Präsidentin des Lehrervereins überzeugen mich immer weniger. Ich bin gespannt, ob wir von diesem Berufsverband wieder einmal etwas Konstruktives hören. Mit der ständigen Klagerhetorik erweist er dem Ansehen des Lehrerberufs in der Öffentlichkeit einen Bärendienst.


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