Vom Ende der Handschrift

10. Januar 2010

Heute kündigt jemand in einer Sonntagszeitung das Ende der Handschrift an:

“Die Handschrift ist eine unnatürliche Art zu schreiben. Wir sollten sie auf den Müllhaufen der Geschichte werfen und nicht mehr unsere Kinder drangsalieren.”

Der Artikel selber ist etwas enttäuschend, auch weil sich die Autorin als Amerikanerin entpuppt. Man fragt sich, ob die NZZaS nicht auch jemanden in der Schweiz gefunden hätte, um das an sich interessante Thema zu beleuchten. Dann wären konkretere Bezüge zu unserem Schulsystem möglich. Die Frage nach dem Sinn der “Schnürlischrift” wird bei uns ja schon gestellt; vielleicht ist das ja nur ein Vorgeplänkel zur Diskussion über die Handschrift an sich.


“Male Bashing”

7. Januar 2010

In der heutigen NZZ findet sich im Teil “Meinungen & Debatte” ein Beitrag von Walter Hollstein, einem Soziologen aus Riehen. Er zitiert Radikalfeministinnen, schreibt über “male bashing” und Sitzbuchungsregeln der Air France, um dann den Bogen zu einer Baselbieter Schule und insbesondere zu unseren männlichen Kindern und Jugendlichen zu schlagen. Lesenswert, denn das Thema ist hochaktuell.


Neues zum Sekundarschulstandort

7. Januar 2010

Der Nachbar hat’s schon gemeldet, und es steht heute ja auch in der gedruckten Ausgabe der BaZ: Die landrätliche Bildungs-, Kultur- und Sportkommission spricht sich für die organisatorische Zusammenlegung der Sekundarschulen Arlesheim und Münchenstein unter Beibehaltung der zwei Standorte aus. Zudem sollen die beiden Sekundarschulhäuser in Gemeindebesitz bleiben.

Entscheiden über die Vorlage wird der Landrat, und zwar voraussichtlich am 14. Januar 2010.


Bildungsraum Nordwestschweiz begraben!

14. Dezember 2009

Die BaZ füllt ihre Spalten heute wieder mal ausgiebig mit Bildungsthemen:

Bemerkung am Rande: Leider betreibt die BaZ in ihren bildungspolitischen Artikeln häufig nur Schaumschlägerei – Lösungsansätze werden kaum je präsentiert. Der heutige Tageskommentar verdient diesen Namen m.E. gar nicht: Es wird lediglich festgehalten, was alles nicht sein dürfe, dass die Harmonisierung schwierig sei und dass man erst am Anfang stehe; eigene Vorstellungen des Journalisten zu den beiden Themen sind kaum erkennbar.

Nach allem, was bereits aus der Vorlage für einen Bildungsraum Nordwestschweiz gekippt worden ist, kann man dieses Projekt als solches getrost begraben. Die Kantone Solothurn und Aargau sind als Ganzes zu wenig auf die Region Basel ausgerichtet, dass ein echtes Interesse an einer Harmonisierung der Schulsysteme besteht. Schliesslich sind weite Teile unserer südlichen Nachbarkantone nicht auf Basel, sondern auf Zürich und Bern ausgerichtet. Stattdessen ist die Harmonisierung zwischen den beiden Basel voranzutreiben; gleichzeitig ist darauf zu achten, dass die Bildungslandschaft für die Solothurner und Aargauer Bezirke nördlich des Juras möglichst offen bleibt.


Gute Ausgangslage für den Lehrplan 21

7. November 2009

Eine Angleichung der unterschiedlichen kantonalen Schulsysteme in der Schweiz ist überfällig. Während die HarmoS-Vorlage aufgrund von z.T. irrationalen Argumenten einen schweren Stand hat, scheint die Ausgangslage für den geplanten gemeinsamen Lehrplan in der Deutschschweiz unter einem besseren Stern zu stehen. Gestern wurde bekanntgegeben, dass sämtliche kantonalen Bildungsdirektoren das Projekt befürworten und dass auch die Lehrerschaft bei der Ausarbeitung des neuen Lehrplans aktiv mitwirken will. In Kraft treten wird der neue Lehrplan frühestens 2014.

-> Was Schüler der Deutschschweiz künftig lernen werden (NZZ vom 06.11.2009)
-> Medienmitteilung der Erziehungsdirektoren-Konferenzen vom 05.11.2009

Lehrplan 21


Chaos in der Bildungslandschaft

23. Oktober 2009

logo_blBaselland verschiebt die geplante Einführung des neuen Sprachenkonzepts mit Französischunterricht ab der 3. Klasse und Englischunterricht ab der 5. Klasse auf unbestimmte Zeit – aus Spargründen:

-> Medienmitteilung vom 22.10.2009 (wurde entfernt)
-> Kein Geld für Frühfranzösisch (BaZ vom 23.10.2009)

Wie immer ertönt nun der Ruf, man möge um Himmelswillen nicht bei der Bildung sparen. In der Sache aber muss auch gesagt werden, dass eine positive Wirkung eines früheren Beginns des Sprachenunterrichts auf die späteren Fremdsprachenkenntnisse der Schülerinnen und Schüler bisher nicht nachgewiesen werden konnte und höchst umstritten ist. Und vielleicht hat es auch Vorteile, wenn unseren Schulen eine der zahlreichen laufenden Reformen vorerst erspart bleibt.

Nicht akzeptabel ist hingegen, dass es die Kantone BS und BL einmal mehr nicht fertig bringen, Ihre Schulsysteme anzugleichen. Es wäre jammerschade, wenn dies- und jenseits der Kantonsgrenze ein unterschiedliches Sprachenkonzept an der Primarschule umgesetzt würde. Dies würde die Mobilität von Familien unnötig erschweren.


Schulreformen und Kommunikation

10. Oktober 2009

NZZ am SonntagDie NZZaS vom vergangenen Sonntag hat nach den Gründen für die aktuellen Schwierigkeiten mit den Schulreformen in der Schweiz gesucht (-> Schule in der Sackgasse) und kommt zum Schluss:

“Dass sich die Volksschule stetig weiterentwickeln muss, ist keine Frage. Das geht nur über die öffentliche Diskussion der Werte, die unsere Schule prägen sollen. Die Gefahr für die Schulentwicklung sind nicht die Gegner, sondern die Technokraten, die durch die Planung im Hinterzimmer das Vertrauen in die Reformvorhaben verspielen.”

Im selben Artikel wird die Präsidentin der Konferenz der Erziehungsdirektoren zitiert:

“Wer eine Schule verändern will, muss zuerst das Vertrauen aller Beteiligten gewinnen.”

Auch auf lokaler Ebene gilt: Sollen breite Kreise Vertrauen in unsere Schulen haben und Veränderungen aufgeschlossen gegenüberstehen, bedarf es einer öffentlichen Diskussion. Dies ist einer der Gründe, warum wir immer wieder die Wichtigkeit von pro-aktiver Kommunikation durch unsere Schulbehörden, Schulleitungen und Lehrpersonen betonen.


Heisse Eisen

26. September 2009

Ein bekannter Nichtpolitiker aus Arlesheim hat zwei ganz heisse Eisen angepackt:

Auch wenn die geäusserten Meinungen nicht mehrheitsfähig sind, auch wenn eine Männerquote bei der Zulassung zum Medizinstudium oder zur Lehrerausbildung vermutlich wenig sinnvoll wäre, auch wenn das gezeichnete Bild von der Situation an unseren Schulen so nicht zutrifft: Die beiden Beiträge regen schon ein wenig zum Nachdenken an. Viele namhafte Bildungsexperten beklagen mittlerweile ja ebenfalls den tiefen Männeranteil unter den Primarlehrkräften.

Auf der anderen Seite kann nicht alles so schlimm sein: Diese Woche habe ich an einem einwandfrei organisierten und souverän durchgeführten Elternabend teilgenommen, und die Professionalität, mit welcher wir als Eltern seit den Sommerferien informiert wurden, hat mich tief beeindruckt. Bei der verantwortlichen Lehrperson handelt es sich übrigens um zwei Frauen, welche sich das Pensum zu je 50% teilen…


Aus für die Berufslehre?

1. September 2009

Mit einem Knüller versieht der “Verbund Akademien der Wissenschaften Schweiz” sein 40-seitiges Weissbuch zur Bildungspolitik in der Schweiz: Jahrelang wurde unser duales Berufsbildungssystem gelobt, doch laut dem Präsidenten der Arbeitsgruppe, Prof. Walther Zimmerli, wird dieses zum Auslaufmodell werden.

-> NZZ vom 01.09.2009: Roadmap der Bildungspolitik / Die duale Berufsbildung ist ein Auslaufmodell
-> BaZ vom 01.09.2009: Wie die Bildung im Jahre 2030 aussehen soll
-> 10 vor10 (SF) vom 31.08.2009: Kampf um junge Talente
-> Akademien der Wissenschaften Schweiz: Medienmitteilung

Dieser Punkt wird noch sehr intensiv diskutiert werden. Andere, begrüssenswerte Forderungen des Weissbuchs sind:

  • Zusammenführung aller Bildungsbereiche in einem Bundesdepartement;
  • höhere Gewichtung des nichtschulischen, informellen Lernens;
  • vermehrtes Erlernen von Kompetenzen anstelle von Aneignung von Wissen;
  • Einfordern von Spitzenleistungen von der Lehrerschaft bei gleichzeitiger Erhöhung der sozialen Wertschätzung des Berufsstands.

HarmoS quo vadis?

23. August 2009

Die gestrige NZZ blickt in einem Editorial unter dem Titel “Wie viel Harmonie erträgt die Schule?” zurück auf die schulpolitischen Diskussionen und Ereignisse der letzten Monate. Unter anderem fragt sich der Autor, warum die Stimmenden sich 2006 so klar für mehr Koordination zwischen den kantonalen Schulsystemen ausgesprochen haben:

“Was aber genau erhofften sie sich? Wohl schlicht, dass bei einem Umzug die Kinder an der neuen Schule im anderen Kanton leicht Anschluss finden.”

Dieser Punkt sollten wir bei der landesweiten Diskussion über HarmoS wieder vermehrt in den Vordergrund rücken.

Sowohl bei der Ausarbeitung des neuen Lehrplans für die Deutschschweiz (“Lehrplan 21“) als auch bei den anderen laufenden Bildungsreformen plädiert Herr Hagenbüchle für Zurückhaltung und Augenmass. Und schliesslich relativiert er, meiner Meinung nach zu Recht, die Bedeutung von Strukturen und Schulinhalten:

“Nicht der Stoff, sondern die Art seiner Vermittlung und die Gefühlskraft des Lehrers sind es, die ein Schülerleben prägen.”


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