Kindergerechte Tagesstrukturen

6. November 2011

Eine interessante Debatte bahnt sich im Kanton Zürich an: Der Zugang zu internationalen Schulen soll aufgrund ihrer steigenden Popularität auch ausserhalb der Stammkundschaft eingeschränkt werden. Monika Bütler meint in der heutigen NZZaS (leider nicht online auffindbar), dass der Zulauf zu diesen Schulen nicht in erster Linie auf das pädagogische Konzept zurückzuführen sei, sondern insbesondere auf die integrierten Tagesstrukturen. Diese seien insgesamt kindergerechter als das in der Schweiz an vielen Orten gängige à-la-carte-System mit Blockzeiten an der Schule, Mittagstisch und Betreuung in Horten in der übrigen Zeit. Während die Kinder in diesem Modell in wechselnden Gruppen an verschiedenen Orten von zahlreichen Bezugspersonen im Rahmen von Angeboten von unterschiedlichen Trägerschaften betreut werden, kommt das System der internationalen Schulen eher „aus einem Guss“ und sei bei einer ehrlichen Vollkostenrechnung vermutlich auch günstiger.

Die Nachfrage nach familienergänzender Betreuung wird nach heutigen Erkenntnissen weiter zunehmen, und folglich werden die entsprechenden Angebote auch ausgebaut werden. Wir sollten dabei darauf achten, dass keine weitere Verzettelung in organisatorischer und örtlicher Hinsicht stattfindet. In Arlesheim gibt es in dieser Hinsicht sicher noch Potential, allerdings auch heute schon viele positive Ansätze: Die Nähe von Sekundarschule und Jugendhaus sowie die personelle Konstellation haben dazu geführt, dass die beiden Organisationen mit unterschiedlicher Trägerschaft eng zusammenarbeiten. Im Primarschulalter befinden sich Schule und Mittagstisch zwar nicht am selben Standort, immerhin werden Mittagstisch sowie Nachmittagsbetreuung aber unter einheitlicher Trägerschaft und am selben Ort angeboten. Und beim Tageskindergarten, welchen die Gemeinde versuchsweise auf das nächste Schuljahr hin einführen wird, soll das Mittagessen am Kindergartenstandort stattfinden.


Hochdeutsch im Kindergarten

31. Oktober 2010

Heute titelt die NZZaS: „Der Streit um Hochdeutsch im Kindergarten bringt nichts.“

 

In der Tat, es gibt weit wichtigere Bildungsfragen als diese. Insbesondere gibt es innerhalb eines Kantons oder einer Stadt sehr unterschiedlich zusammengesetzte Kindergartenklassen. Diesen allen mit einer einheitlichen gesetzlichen Regelung gerecht zu werden, ist unmöglich. Der Autor des Artikels fordert zu Recht:

„Wie häufig im Kindergarten Hochdeutsch oder Mundart geredet wird, ist Sache der Lehrerin und nicht der Politik. Den Unterricht bis ins letzte Detail zu reglementieren, ist falsch.


Neuenburg macht’s vor!

19. Mai 2010

Eine Nachricht aus dem Kanton Neuenburg hat mich heute besonders gefreut: Im Rahmen eines Pilotprojekts sollen dort Kindergartenklassen angeboten werden, in denen je zur Hälfte Deutsch und Französisch gesprochen wird (siehe auch Artikel in der heutigen NZZ). Dies ist aus mehreren Gründen erfreulich:

  • Sogenannter Immersionsunterricht ist für den Spracherwerb effektiver als ein paar wenige Wochenstunden Fremdsprachenunterricht. Unser mehrsprachiges, aber kleinräumiges Land hätte ideale Voraussetzungen, um vermehrt auf Immersionsunterricht zu setzen. In der Diskussion um den Fremdsprachenunterricht im Rahmen von HarmoS kommt dies jedoch viel zu kurz.
  • Die Sprachendiskussion in den Westschweizer Kantonen an der Sprachgrenze war in der Vergangenheit häufig von Berührungsängsten und von Beharren auf dem Territorialprinzip geprägt. Hier scheint ein Umdenken stattzufinden.
  • Wie in Baselland steht es um die Staatsfinanzen in Neuenburg nicht besonders gut. Trotzdem findet man Wege, derartige Pilotprojekte durchzuführen.

Es ist zu hoffen, dass das Projekt in Neuenburg erfolgreich verläuft. Auch im Kanton Baselland (zumindest im unteren Kantonsteil und im Laufental) wären durch die Nähe zum Kanton Jura ähnliche Projekte denkbar und wünschenswert.


Vom Reformwahn zum Reformstau

17. Mai 2010

Das Pendel schlägt zurück: Nach einer starken Reformeuphorie in der schweizerischen Bildungslandschaft kehrt nun der Wind, und zahlreiche, ursprünglich gut gestartete Reformprojekte verlieren von Tag zu Tag Anhänger. In seinem Artikel „In der Falle“ im Magazin vom 21.05.2010 zählt Martin Beglinger viele Gründe dafür auf, z.B. die nur auf dem Papier existierende Autonomie unserer Schulen, die überbordende und sich ständig selber rechtfertigende Bildungsbürokratie, die Abwertung der Laiengremien in der Aufsicht und Steuerung der Schulen (wobei die Schulräte im Baselbiet noch verhältnismässig viele Kompetenzen haben).

Verwirrendes spielt sich auch in der eigenen Partei ab: Monatelang hat sich die FDP Schweiz für das HarmoS-Konkordat stark gemacht. Und ganz am Ende des Prozesses erwacht nun die FDP Baselland und übt sich in Fundamentalopposition. Zu erklären ist dieses Verhalten allenfalls durch die schwache Führung und die wenig kohärente Bildungspolitik der Baselbieter Regierung und ihrer Bildungsdirektion: Parolen zur Stärkung des Bildungssektors und Sparpläne im Bildungsbereich wechseln sich im Wochenrhythmus ab.

In unserer stark vernetzten Region hat es eigentlich gar keinen Platz für mehrere Schulmodelle. Nachdem Basel-Stadt nun daran ist, seinen jahrzehntelangen Alleingang im Schulbereich abzubrechen, bietet sich die Möglichkeit, die Volksschule wenigstens soweit zu harmonisieren, dass ein Umzug von Familien in der Region nicht durch stark unterschiedliche Schulsysteme unnötig behindert wird. Dies ist meines Erachtens höher zu gewichten als allfällige (berechtigte) Vorbehalte gegenüber dem pädagogischen Mehrwert von Frühfranzösisch. Ich werde mich deshalb nach wie vor für den Beitritt von Baselland zum HarmoS-Konkordat einsetzen.


Jugend und Medien

19. April 2010

Schulrat und Schulleitung Kingergarten & Primarschule Arlesheim haben am 13.04.2010 einen öffentlichen Informationsabend zum Thema „Jugend und Medien“ durchgeführt. Die Referenten haben wiederholt auf die Wichtigkeit hingewiesen, dass sich die Eltern intensiv mit diesem Thema auseinandersetzen. Der Anlass war gut besucht, und im Vorfeld ist eine Broschüre „Vernetzt mit der ganzen Welt“ entstanden, welche am Anlass abgegeben wurde und über den angegebenen Link auch heruntergeladen werden kann.

In der heutigen NZZ (-> „Abschied vom pädagogischen Schonraum?) beleuchtet Allan Guggenbühl dasselbe Thema vor dem Hintergrund der sich wandelnden Rolle der Kinder und Jugendlichen in der Gesellschaft. Er stellt unter anderem fest, dass diese „heute wieder in einer Welt aufwachsen, in der sie, wenn auch meist nur medial, den Schattenseiten des Menschlichen ausgesetzt sind. Da wir wenig Kontrolle über diesen Prozess haben, müssen wir auf ihre Kompetenz setzen, das Chaos von Bild und Information zu ordnen.


Kennen Sie die Znünikreuzritter?

12. April 2010

Ich musste schmunzeln: In der heutigen NZZ nimmt Sabine Windlin in amüsanter Weise die zahlreichen Znünikreuzritter aufs Korn: „Hüttenkäse statt Schinkensandwich„. Ein Auszug:

„Zur Verfügung stehen tonnenweise Lehrmittel und Anschauungsmaterial, extra angefertigte Znünitäschli, Znüni-Ordner, Znüni-Geschichten, Znüni-Comics, Znüni-Flyer, Znüni-Downloads, Znüni-CD-ROMs, Znüni-Newsletter, Znüni-Leporellos, Znüni-Quartetts und Znüni-Logos.“

So ernst und wichtig das Thema Ernährung insbesondere angesichts der steigenden Zahl von übergewichtigen Kindern auch ist: Die Kampagnen wirken manchmal etwas gar missionarisch, und vielfach richten sie sich an Zielgruppen, die es gar nicht nötig hätten. Selber habe ich den Eindruck, dass das, was in der Spielgruppe und im Kindergarten vorbildlich beginnt, in der Primar- und Sekundarschule zunehmend an Bedeutung verliert. Und ob mit der Fokussierung auf das Znüni die erwünschte gesundheitspolitische Wirkung auch erzielt wird, muss sich erst noch weisen. Schliesslich werden die übrigen (Zwischen-)Mahlzeiten in den meisten Fällen zuhause eingenommen.


Presseschau

15. März 2010

In den letzten Tagen war wieder mal richtig viel über Schul- und Jugendthemen zu lesen:

Die NZZ am Sonntag hat den Sekundarlehrermangel thematisiert (-> „Das letzte Aufgebot„), und die BaZ hat daraus am Montag dann noch einen regional angehauchten Beitrag gemacht. Das Thema wird uns noch beschäftigen, denn konkrete Antworten auf die Frage, wie der Beruf der Sekundarlehrerin attraktiver gemacht werden kann, konnten die Befragten nicht geben. Werden wir künftig wie heute schon in den Spitalberufen vermehrt in Deutschland rekrutieren gehen?

In seinem Aufsatz „Die kontrollierte Kindheit“ plädiert Allan Guggenbühl dafür, dass Jugendliche mehr Freiräume für Jugendliche erhalten, dass Kinder und Jugendliche nicht auf Schritt und Tritt von Erwachsenen überwacht und kontrolliert werden, und für weniger Verbote, deren Umgehung für Jugendliche häufig besonders attraktiv erscheint. Wo Allan Guggenbühl zitiert wird, ist auch Remo Largo nicht weit weg: Er nimmt im Interview („Eltern haben nicht zu viel, sondern zu wenig Zeit für ihre Kinder„) auf Guggenbühls Thesen Bezug, teilt diese aber nicht uneingeschränkt. Am Schluss schlägt er den Bogen zur Schule und fordert von den Erwachsenen (Eltern und Lehrpersonen), dass sie ihre Rolle als Vorbilder vermehrt wahrnehmen.

Vor dem Hintergrund des Münchner Prozesses gegen gewalttätige Schweizer Jugendliche beleuchtet eine Basler Journalistin im Beitrag „Brutal, kaltblütig, gnadenlos„  den Zusammenhang zwischen Bildung und Gewalt. Unter anderem betonen die Befragten die wichtige Rolle der Schule in der Gewaltprävention.

Schliesslich sind im Kanton Baselland die sogenannten Klassenstunden an der Sekundarschule ein Thema: „Psychohygiene im Klassenzimmer„. Allerdings war mir nach der Lektüre dieses Beitrags der Standpunkt der Bildungsdirektion nicht wirklich klar.


Von der Schweizer Schulschrift zur Basisschrift

19. Februar 2010

Ich habe mir die Frage auch schon gestellt: Ist die Schweizer Schulschrift, welche meine Tochter in der Schule übt, heutzutage nicht etwas antiquiert? Schliesslich wird sie schweizweit seit über 60 Jahren unterrichtet, und ich kenne kaum jemanden, der als Erwachsener nur annähernd so schreibt. Die NZZ thematisiert die Schulschrift in ihrer Ausgabe vom 15.02.2010: Seilziehen um eine zeitgemässe Schulschrift. Im Artikel wird auch die neue „Basisschrift“ vorgestellt, welche mehr wie eine zusammenhängende Blockschrift aussieht:

Im Kanton Baselland sind die Primarschulen derzeit nicht frei, die neue Basisschrift anstelle der Schweizer Schulschrift einzuführen. Bei Schulwechseln wäre es auch störend, wenn an verschiedenen Schulen unterschiedliche Schriften gelehrt würden, wie das in anderen Kantonen der Fall ist. Es ist aber zu hoffen, dass die Basisschrift in den neuen Deutschschweizer Lehrplan aufgenommen wird; für mich gibt es jedenfalls mehr Argumente dafür als dagegen.


Fachterminologie im Bildungswesen

1. Februar 2010

Es gibt – neben vielen guten Beispielen – zwei Arten von Elternbriefen aus der Schule, die mich jeweils nerven. Die einen sind die mit den vielen Deutschfehlern, bei den anderen werden bildungsspezifische Fachbegriffe verwendet, deren Bedeutung einer Mehrheit der Eltern nicht klar ist. Die NZZ geht in der heutigen Ausgabe in einem lesenswerten Artikel auf die vermehrte Verwendung von abstrakten und abgehobenen Begriffen im Bildungswesen ein:

-> Im Sumpf der Sprache (NZZ vom 01.02.2010)


Sekundarschulhäuser und Kinderschutzprogramme

23. Januar 2010

Heute finden sich in der Basler Zeitung gleich zwei Artikel, welche unsere Schulen betreffen (beide leider nicht online verfügbar):

Wie bereits angekündigt, folgt nach dem Vorentscheid über die Sekundarschulstandorte im Kanton Baselland nun die Diskussion darüber, wann und zu welchen Konditionen die bisher gemeindeeigenen Sekundarschulbauten ins Eigentum des Kantons überführt werden sollen. Es geht immerhin um rund 100 Gebäude und eine Grössenordnung von 130 Millionen Franken.

Der Schulrat Arlesheim bemüht sich weiterhin, im Unterschied zu früheren Jahren vermehrt in den Medien präsent zu sein: Er lanciert nach einer entsprechenden Elternumfrage zur Computernutzung ein Projekt „Kinderschutzprogramme“. Im Artikel der BaZ erfährt man über die konkrete Umsetzung des Projekts leider nicht viel mehr als das, was vor vier Monaten bereits im Wochenblatt zu lesen war. Das Thema ist zweifellos wichtig; meine damals geäusserten Bedenken bezüglich Umsetzung bleiben vorderhand bestehen.


Follow

Get every new post delivered to your Inbox.