Neuenburg macht’s vor!

19. Mai 2010

Eine Nachricht aus dem Kanton Neuenburg hat mich heute besonders gefreut: Im Rahmen eines Pilotprojekts sollen dort Kindergartenklassen angeboten werden, in denen je zur Hälfte Deutsch und Französisch gesprochen wird (siehe auch Artikel in der heutigen NZZ). Dies ist aus mehreren Gründen erfreulich:

  • Sogenannter Immersionsunterricht ist für den Spracherwerb effektiver als ein paar wenige Wochenstunden Fremdsprachenunterricht. Unser mehrsprachiges, aber kleinräumiges Land hätte ideale Voraussetzungen, um vermehrt auf Immersionsunterricht zu setzen. In der Diskussion um den Fremdsprachenunterricht im Rahmen von HarmoS kommt dies jedoch viel zu kurz.
  • Die Sprachendiskussion in den Westschweizer Kantonen an der Sprachgrenze war in der Vergangenheit häufig von Berührungsängsten und von Beharren auf dem Territorialprinzip geprägt. Hier scheint ein Umdenken stattzufinden.
  • Wie in Baselland steht es um die Staatsfinanzen in Neuenburg nicht besonders gut. Trotzdem findet man Wege, derartige Pilotprojekte durchzuführen.

Es ist zu hoffen, dass das Projekt in Neuenburg erfolgreich verläuft. Auch im Kanton Baselland (zumindest im unteren Kantonsteil und im Laufental) wären durch die Nähe zum Kanton Jura ähnliche Projekte denkbar und wünschenswert.


Vom Reformwahn zum Reformstau

17. Mai 2010

Das Pendel schlägt zurück: Nach einer starken Reformeuphorie in der schweizerischen Bildungslandschaft kehrt nun der Wind, und zahlreiche, ursprünglich gut gestartete Reformprojekte verlieren von Tag zu Tag Anhänger. In seinem Artikel “In der Falle” im Magazin vom 21.05.2010 zählt Martin Beglinger viele Gründe dafür auf, z.B. die nur auf dem Papier existierende Autonomie unserer Schulen, die überbordende und sich ständig selber rechtfertigende Bildungsbürokratie, die Abwertung der Laiengremien in der Aufsicht und Steuerung der Schulen (wobei die Schulräte im Baselbiet noch verhältnismässig viele Kompetenzen haben).

Verwirrendes spielt sich auch in der eigenen Partei ab: Monatelang hat sich die FDP Schweiz für das HarmoS-Konkordat stark gemacht. Und ganz am Ende des Prozesses erwacht nun die FDP Baselland und übt sich in Fundamentalopposition. Zu erklären ist dieses Verhalten allenfalls durch die schwache Führung und die wenig kohärente Bildungspolitik der Baselbieter Regierung und ihrer Bildungsdirektion: Parolen zur Stärkung des Bildungssektors und Sparpläne im Bildungsbereich wechseln sich im Wochenrhythmus ab.

In unserer stark vernetzten Region hat es eigentlich gar keinen Platz für mehrere Schulmodelle. Nachdem Basel-Stadt nun daran ist, seinen jahrzehntelangen Alleingang im Schulbereich abzubrechen, bietet sich die Möglichkeit, die Volksschule wenigstens soweit zu harmonisieren, dass ein Umzug von Familien in der Region nicht durch stark unterschiedliche Schulsysteme unnötig behindert wird. Dies ist meines Erachtens höher zu gewichten als allfällige (berechtigte) Vorbehalte gegenüber dem pädagogischen Mehrwert von Frühfranzösisch. Ich werde mich deshalb nach wie vor für den Beitritt von Baselland zum HarmoS-Konkordat einsetzen.


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