In seinem 2007 erschienen Buch „Lob der Schule, sieben Perspektiven für Schüler, Lehrer und Eltern“ fordert der Mediziner Joachim Bauer eine „Neurobiologie*) der Schule“. Er beschreibt, wie das Projekt Schule gelingen kann, indem die in jedem Menschen neurobiologisch verankerte Freude am Lernen, Kooperation und das Interesse am konstruktiven Miteinander in den täglichen Schulbetrieb einfliessen.
“Nichts kommt von alleine, auch Motivation nicht”
sagt Bauer und beschreibt die Entdeckung der neurobiologischen Zentren, die für Lebenswillen, Energie, Motivation und Lust an Leistung sorgen. Indem das Gehirn unter bestimmten Voraussetzungen einen Cocktail von Botenstoffen (Dopamin, Opioide und Oxytozin) ausschüttet, wird das Motivationssystem in Gang gesetzt. Welche Bedingungen müssen nun bei Schülern, Lehrern und Eltern vorliegen, damit bei Kindern und Jugendlichen der Körper vom Gehirn mit dem Motivationscocktail versorgt und so ihre Motivation aufgebaut wird? Der Organismus Schule kann nur gelingen, wenn alle drei Mitspieler – Schüler, Eltern und Lehrer – zusammenarbeiten. Bauer zeigt auch auf, dass die Weichenstellung für die Entwicklung unserer Kinder und Jugendlichen nicht nur in der Schule, sondern vor allem auch ausserhalb gestellt werden:
„Bildung beginnt mit dem ersten Lebenstag“.
Bauers Perspektiven sind einleuchtend und distanzieren sich in erfrischender Weise von der modisch gewordenen Lehrerschelte und vom Trend zum Ausbau von Bürokratie im Schulleben. Fazit: empfehlenswerte Lektüre für Lehrer, Eltern und Schulpolitiker.
Joachim Bauer, Lob der Schule, sieben Perspektiven für Schüler, Lehrer und Eltern, Hoffmann und Campe, 2007. ISBN 978-3-455-50032-5
*) Neurobiologie kann als Hirnforschung bezeichnet werden. Sie untersucht das Funktionieren und die Entwicklung des Nervensystems sowie die Mechanismen, wie wir uns unserer Umwelt anpassen.
